Die Schutzstelle in der Marsstraße ist eine Einrichtung, die sich mit dem Selbstverständnis eines öffentlichen Trägers präsentiert und auch dann Verantwortung übernimmt, wenn sich bereits bei der Anfrage zur Aufnahme eines Jugendlichen abzeichnet, dass es sich um einen jungen Menschen handelt, der eigentlich alle Ausschlusskriterien für die Inobhutnahme in der Schutzstelle erfüllt.
Um Jugendlichen, die durch Gewalt, Vernachlässigung und Deprivation traumatisiert worden sind und in der Folge langfristig kritische Überlebensstrategien entwickelt haben, die Umgestaltung ihrer Lebenssituation zu ermöglichen, ist das Konzept der Schutzstelle traumapädagogisch gefasst und von einer wertschätzenden und verstehenden Grundhaltung geprägt. Es berücksichtigt die Folgen von biografischen Belastungen und legt seinen Schwerpunkt auf die Förderung von Ressourcen und die Entwicklung von Resilienz der jungen Menschen.
„Traumapädagogische Ansätze haben sich als effektiv erwiesen, für Jugendliche einen sicheren Ort zu schaffen, der die Basis dafür darstellt, dass sie lernen können, Erfahrungen von Ohnmacht, Bindungslosigkeit und Missachtung zu überwinden. Jugendliche müssen darin unterstützt werden, ihre Selbstachtung wieder zu gewinnen, indem sie lernen, ihre ‚störenden‘ Verhaltensweisen als ursprünglich sinnvolle Reaktionen auf traumatisierende Lebensumstände zu begreifen – auch wenn diese inzwischen ein automatisiertes Eigenleben entwickelt haben, das häufig auch ausgesprochen destruktive Aspekte beinhaltet. Dieser ‚verstehende‘ Ansatz erweitert das pädagogische Handlungsspektrum erheblich und hilft damit nicht nur, Jugendlichen angemessener begegnen zu können, sondern dadurch eben auch den Pädagogen/innen, eigene Erfahrung von Ohnmacht und Hilflosigkeit zu vermeiden und hierdurch die Freude an der Arbeit zu erhalten.“ (Sabine Hofmann, Psychologischer Dienst, Just M).