Stress lass nach! – Traumapädagogische Kinder- und Jugendworkshops

Für die Ausbildung zur Leiter*in für traumapädagogische Kinder- und Jugendworkshops werden bei JustM Mitarbeiter*innen aus verschiedenen Wohngruppen geschult. Federführend ist die renommierte Traumapädagogin Wilma Weiß sowie die Dozentinnen Jutta Metzenhauer, Christine Lieb, Ronja Gumpert und Bettina Lenz.

Ziel ist es die Pädagog*innen zu befähigen, die vielschichtigen Themen der Traumapädagogik aufzuarbeiten und gezielt für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Workshops zu vermitteln. Über zwei Jahre hinweg wird so in jeweils 3-tägigen Modulen nach und nach Wissen zu verschiedenen Trauma-Themen theoretisch und praktisch vermittelt und eine Grundlage für Workshops zu dem jeweiligen Thema erarbeitet. Die Themen sind Stress, Übertragung und Gegenübertragung, Bindung und Bindungstypen, Dissoziation und das Inneres Team, Transgenerationale Weitergabe sowie Scham und Schuld.

Die Teilnehmer*innen der Ausbildung kommen aus den vielfältigen Bereichen der Stadt (Münchner Kindl-Heim, Münchner Waisenhaus, Marie-Mattfeld-Haus, Pflege und Adoption und JustM). Im Austausch gewinnen die Teilnehmer*innen Einblicke in die unterschiedlichen Zielgruppen und deren Arbeitsalltag und dadurch verschiedene Herangehensweisen und Methoden.

Der Anfang der Umsetzung bei JustM begann mit dem Workshop “Stress lass nach”. Dieser wurde im YRC abgehalten. Die Herausforderung war mit einer Gruppe junger Menschen aus vielen Ländern zu arbeiten, die erst seit Kurzem in Deutschland sind und über wenig bis keine Deutschkenntnisse verfügen. Deshalb fand dieser Workshop in einfacher, englischer Sprache statt und Sprach- und Verständnisbarrieren wurden mit Bildmaterial und “schauspielerischem Talent” überwunden.

Ziel des ersten Workshops war das Verstehen der unterschiedlichen Arten von Stress, die individuelle Wahrnehmung und das Grundstress-Level, das jeder mit sich trägt. Hilfreich hier war das “Fassmodell” (Weiß, Sauerer 2018: S.110, angelehnt an das Anfälligkeits-Stress-Modell nach In-Albon et al. 2015: S.15-17), das mit Stress-Steinen und kleinen Wasserbechern nachgebaut wurde, um die individuellen Belastungen eines jeden Einzelnen zu verdeutlichen. Die Jugendlichen konnten mit Steinen ihren Stress symbolisieren und ihr eigenes “Fass” füllen. Anschließend wurden im Dialog Körperempfindungen besprochen, jene Frühwarnungen, die unser Körper zeigt, wenn die Belastung steigt. Abgeschlossen wurde der Workshop mit Angeboten zur Versorgung und der Mitgabe “kleiner Helfer” (Stressbälle, Gummibänder, Fidget-Ringe, Knautschbälle etc.), die es den Jugendlichen und jungen Erwachsenen erleichtern, stressbehaftete Situationen besser zu überstehen und sich selbst zu regulieren. Für die leibliche Versorgung wurde mit Keksen und Pizza gesorgt.

(Quelle: Weiß, Wilma/Sauerer, Anja (2018): „Hey, ich bin normal!“. 1. Auflage. Beltz Juventa. In-Albon, Tina/Plener, Paul L./Brunner, Ronald/Kaess, Michael (2015): Selbstverletzendes Verhalten. Göttingen: Hogrefe.)

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